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Die erste Woche mit MeWe

 

Die erste Woche mit MeWe

So, nun ist also die erste Woche bei MeWe rum und ich habe mich ein bisschen eingewöhnt. Natürlich habe ich erstmal nach Bekannten aus meinem Ort oder meiner Region gesucht und ein paar Wenige gefunden. Leider scheint niemand wirklich aktiv zu sein.

Also werde ich noch ein bisschen länger als geplant um Wechselwillige werben müssen. Auf meinen Post bei facebook haben ein paar Leute reagiert. Einige haben gesagt, dass sie schon hier sind. Aber so richtig aktiv scheint auch da niemand zu sein. Was ist eigentlich das Problem, bzw. sind die Probleme?

  • Die kritische Masse
  • Die Art facebook zu nutzen
  • Die Angst vor dem Wechsel
  • Es funktioniert ganz anders
  • Es ist nicht kostenlos

Ich will hier mal nacheinander auf diese Punkte eingehen, denn jeder für sich ist ja ein guter Grund, den Status Quo aufrecht zu erhalten

1. Die kritische Masse

facebook zählte im ersten Quartal 2021 1,8 Milliarden Nutzer. Die Chance Freunde oder Bekannte aus dem wirklichen Leben dort aufzufinden ist also relativ groß. Alle anderen sozialen Netzwerke zusammen haben nur einen Bruchteil dieser Nutzerzahlen aufzubieten. MeWe hat zur Zeit ca. 18 Millionen Nutzer. Die Nutzerzahlen steigen jährlich um 173%. Trotzdem kann es natürlich noch lange nicht an die Zahlen von facebook anknüpfen

2. Die Art facebook zu nutzen

Das Einloggen bei facebook ist bequem und geschieht nebenher. Wenn ich drin bin, dann sehe ich gleich, was meine Community aus bekannten und Gruppen so treibt. Die Wenigsten posten selbst etwas. Meist wird nur geschaut und ein bisschen geliked. Am ehesten finden sich Beiträge von Händlern in facebookgruppen oder es wird über irgend etwas gemotzt. Die Perlen gibt es natürlich auch. Ich hatte zum Beispiel die Bibelentdeckungen von Dr. Guido Baltes abonniert. (Geht aber auch über YouTube) Persönlich fand ich es interessant, wenn ich schnell näheres über einen Polizei- oder Feuerwehreinsatz in der Nähe erfahren konnte. Aber - ganz ehrlich: Lebensnotwendig ist dies wirklich nicht. Für kleinere Geschäfte wurde facebook in der Pandemie wichtig. Auch ich habe Blumen über den Messenger bestellt, weil es bequem war. So mancher Umsatz dürfte darüber gelaufen sein.

3 Die Angst vor dem Wechsel

Auch wenn facebook selbst kaum genutzt wird, zwei andere Dienste, die zum Konzern gehören werden intensiver genutzt. WhatsApp und Instagram. Ich kam zu facebook, weil ich auf Instagram eine Business-Seite benötigte, um dem Account der Veranstaltung zelt2020.de zu folgen, für die ich die Webmaster-Rolle übernommen hatte. Zunächst konnte ich es nicht glauben, dass ich einen facebook Account dafür brauchte, nachdem ich mich eingelesen hatte, musste ich hier nachgeben. Instagram ist vor allem ein Kanal für jüngere Leute und manche Organisationen. Auch der Handel ist hier präsent. WhatApp hat sich zum beliebtesten Messenger aller Altersgruppen gemausert. Ab übermorgen, 15.5.2021 will facebook anfangen, endlich Geld mit Whatsapp zu verdienen, indem die Benutzer- und Kontaktdaten und Nutzungsdaten der Messenger Benutzer mit denen von facebook und Instagram zusammengeführt werden. Damit eröffnet sich eine neue milliardenschwere Werbemöglichkeit. Es ist facebook nicht so wichtig, was Du schreibst. Sogar WhatsApp hat mittlerweile eine Ende zu Ende-Verschlüsselung, so dass sie das nicht lesen können, sondern mit WEM Du in Kontakt stehst. Daraus lassen sich unglaublich viele Rückschlüsse auf Deine Person und Dein Wesen ziehen.

Aber: Die halbe Welt nutzt WhatsApp. Ohne die App würde kein Verein mehr laufen. Absprachen laufen oft über WhatsApp-Gruppen. Viele Meetings werden erst Last-Minute-mäßig über WhatsApp organisiert. Wer WhatsApp verlässt, verlässt praktisch das Leben. Er ist ausgeschlossen. Telefon und E-Mail sind Techniken, die von Organisatoren praktisch nicht mehr eingesetzt werden. Wer, wie ich, WhatsApp nie nutzte ist ein Dinosaurier. Also praktisch ausgestorben.

Eigene Einsicht in die Notwendigkeit eines Wechsels reicht also nicht. Es müssten ganze Communities wechseln. Und ich, als kleines Mitglied meiner Community, schaffe es doch nicht, alle anderen oder den Gruppenleiter zu überzeugen. Damit kommt es praktisch dazu, dass ein sicherer Messenger, wie Signal höchsten parallel genutzt wird. Und das ist doppelter Aufwand und sorgt dafür, dass ich bei WhatsApp nie rauskomme. Eine Community bräuchte also eine interne kritische Masse, dass es zum echten Wechsel kommen kann. Wenn sich die LeiterInnen und angesehenen Personen einer Community überzeugen lassen, kann die allerdings erreicht werden.

4. Es funktioniert ganz anders

Die meisten Nutzer von Software möchten sich nicht gerne umstellen müssen. Andere Dienste funktionieren zwar ähnlich, aber natürlich nicht genau gleich, wie WhatsApp oder facebook. So ist dies auch bei Signal und MeWe. Es kommen Umstellungsschmerzen dazu. Und die scheut man natürlich.

5. Es ist nicht kostenlos

Kostenlos ist keiner dieser Dienste, auch wenn nicht offensichtlich Geld verlangt wird. Ein Dienst, der Millionen oder Milliarden Nutzer hat, kann nicht zum Nulltarif betrieben werden. Das Geschäftsmodell ist der Verkauf von Daten an Dritte. Dies geschieht entweder direkt, indem Organisationen wie Cambridge Analytica Daten einkaufen, oder indirekt, indem ich als Nutzer Daten einkaufe, indem ich einen Beitrag für eine bestimmte Zielgruppe bewerbe. Mit indirekt meine ich, dass ich keine Datensätze von facebook erhalte. Nur die Reaktionen materialisieren dann Daten für mich. facebook versucht daher seine User so gut wie möglich zu kennen, damit es vorhersagen kann, was sie als Nächstes brauchen und Unternehmen passgenaue Anzeigen schalten können. Die Werbung ist hochgradig individualisiert. Ein anderer Effekt dieses "Kennenlernens" ist, das die großen Dienste ihre Nutzer immer nahezu zweifelsfrei identifizieren können. Denn übe das Soziale Netzwerk sind die Gewohnheiten und Vorlieben genauestens bekannt. Auch Aufenthaltsorte werden vorhergesagt. Wer es nicht glaubt, braucht nur eine Weile lang Google Maps auf dem Handy zu nutzen. Man erfährt, ob man am nächsten Morgen im Stau stehen wird, obwohl man Google nicht mitgeteilt hat, dass man unterwegs sein wird. Das "Kennen" der Benutzer ist für die Dienste bares Geld. Bei MeWe wird man zugegebenermaßen immer wieder recht prominent aufgefordert, das Premium Abo für 5€/Monat abzuschließen. Man muss es nicht, denn das, was der Basic Account bietet reicht den Meisten sicher aus. Man kann 8GB Daten speichern. Dafür wird nicht getrackt, geworben und keine Cookies gesetzt. Es werden keine Timelines nach meiner Stimmung umsortiert und keine Inhalte versteckt. Es wird nicht gefiltert. Mir persönlich ist alleine das die 5€ wert. Wer kein Premium Nutzer sein will klickt den Hinweis halt weg und kann den Account kostenlos nutzen. Auch bei kostenloser Nutzer stößt man immer wieder auf Preischilder. Zum Beispiel für Themes und Smileys. Der Premiumnutzer kann das einfach nehmen und den Preis ignorieren. Händler können, ähnlich wie bei facebook für einen Obulus von 2€/Monat , MeWe-Seiten einrichten. Im Gegensatz zur facebookseite, die mit einem dicken Banner öffentlich erreichbar ist, ist dies bei der MeWe-Seite nicht der Fall.

Ich wünsche Dir, dass Du trotz dieser Einwände den Mut hast, es mit MeWe zu versuchen. Und noch ein Hinweis: Dieser Artikel ist nicht gesponsert. Ich schreibe es aus freien Stücken. 


Persönlich bin ich seit 1.3.2022 nicht mehr bei MeWe, da ich zu Mastodon eingeladen wurde. Und ich kann einfach nicht mehrere solche Wiesen bespielen. An Mastodon finde ich besser als bei MeWe, dass die Posts auf Wunsch öffentlich lesbar sind. Es ist Twitter recht ähnlich, die Community ist gefühlt aber nicht so aggressiv. An meiner Empfehlung für MeWe ändert das nichts.

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